
819 Märkische Schüler auf der Hannover-Messe: Lernen fürs Leben
Hannover/Hagen. Nach der Schule ist vor der Ausbildung. Was warum wo wie lernen? Die Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe sind auf der Suche. Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) hilft bei der Berufsfindung und hat 819 Jugendliche mit zur Hannover-Messe genommen.
Sie kommen von 21 Schulen aus Hagen, dem Ennepe-Ruhr-Kreis und dem Märkischen Kreis. Am Anfang steht die Organisation. Der Aufwand ist riesig. 18 Reisebusse machen sich auf den Weg in die niedersächsische Landeshauptstadt. Der Blick in die Berufswelt von morgen ist kostenlos. Die Wirtschafts-Junioren aus Hagen, Lüdenscheid, Altena und Iserlohn sponsern die Fahrt. Thematisch aufgeteilt in 33 Gruppen, von der Energiegewinnung bis zur Automatisierungstechnik, nehmen Messeführer die Mädchen und Jungen beim Messe-Gang an die Hand, bildlich gesehen.
Staunend steht Katharina Schiemer vom Ennepetaler Reichenbach-Gymnasium vor dem KR 1000 Titan der IBG Automation GmbH aus Neuenrade. Wie von Geisterhand baut der Industrieroboter die Türen am VW Passat ein und aus. Die 16-Jährige verfolgt jede Bewegung: „Das kann man sich nicht vorstellen. Man muss es gesehen haben.” Die jüngsten technischen Innovationen machen Eindruck auf die jungen Leute. „Museen sind langweilig”, meint Salik Ergül vom Hagener Christian-Rohlfs-Gymnasium. „Hier kann man viel ausprobieren und mit den Leuten reden.” Holger Werth von der Uhde GmbH aus Hagen erklärt ihm und seinen Mitschülern Hochdruckpumpen für Schneidesysteme per Wasserstrahl. „Wir fertigen für die industrielle Anwendung Höchstdruckpumpen bis zu außergewöhnlichen 14 000 bar.” Dass Wasser nahezu alles schneiden und trennen kann, war den Schülern bislang so nicht klar.
Menschen mit Ideen
Mit dem Kopf schütteln Maria Hinsenkamp, Luisa Engling und Marlene Bolte. Die jungen Frauen von der Rudolf-Steiner-Schule in Hagen haben mit einer Spezialbrille die neue 3D-Dimension der Imsys GmbH aus dem schwäbischen Leonberg erlebt. Fasziniert nehmen sie die Brillen vom Kopf: „Wahnsinn, so, als wäre man als Zuschauer mittendrin.” Chemielehrer Horst Grineisen gehört zu ihrem Begleitpersonal. Er beobachtet seine Schützlinge bei der Entdeckungsreise. „Dass Deutschland ein Land mit genialen Innovationen ist”, sagt der Lehrer, „erleben die Kinder in der Schule nicht. Auch erfahren sie nicht, dass das Land Menschen braucht, die Ideen haben. In der Schule macht sich das nicht bemerkbar. Wenn man einen funktionsfähigen PC braucht, nimmt man das Gerät von zu Hause mit.”Grineisen hält es für wichtig, Schülern die Möglichkeit zu geben, sich eine Vorstellung von dem zu machen, was in der Industrie aktuell passiert: „Dabei helfen die Gespräche mit Menschen aus einer Welt, die sie nicht kennen. Der Text in den Schulbüchern ist alt.” Bedauerlich findet Grineisen es, dass Zehntklässler von der Fahrt ausgeschlossen sind. „Sie sind heute weiter.” Auch sie würden Berufsfelder entdecken, die theoretisch nicht vermittelbar seien. Eine Anregung, die die Verantwortlichen mit nach Hause nehmen.Warum nicht früher ansetzen, wenn es darum geht, die Begeisterung für technische Berufe zu wecken? Die SIHK arbeitet daran, den Fachkräftemangel abzufedern. Schüler, die vielfach zum ersten Mal von der Hagener Kammer hören, klärt Frank Niehaus auf, Leiter des Teilbereichs Industrie und Innovation: „Die SIHK berät über die Möglichkeit einer Verbundausbildung. Hier können Schüler Ausbildung und Studium kombinieren.” Am Ende steht das Angebot.
Quelle: Der Westen, Region, 21.04.2010, Joachim Karpa
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